Libby Bray: The Diviners

In ihrer Kleinstadt ist Evie O´Neill ein Skandal. Sie ist jung, trinkfest und tanzfreudig. Kurz gesagt, sie ist ein echter Flapper. 1929 ist das so ziemlich das Schlimmste, dass man über ein junges Mädchen sagen kann, möchte man meinen, doch es kommt noch schlimmer, denn Evie hat ein Geheimnis. Hält sie einen Gegenstand in der Hand, der einer anderen Person gehört, so erfährt sie Dinge aus deren Vergangenheit. Das bringt sie in große Probleme, als sie über einen stadtbekannten Junggesellen erfährt, dass er ein Zimmermädchen geschwängert hat. Zur Strafe wird sie von ihren Eltern zu ihrem Onkel verbannt. Evie ist das nur Recht, lebt dieser doch in Brooklyn. Doch dort ziehen düstere Wolken auf. Jemand mordet scheinbar wahllos Menschen. Bald ist Evie in die Ermittlungen verwickelt und lernt, dass es noch andere gibt wie sie: Die „Diviners“.

 

Libby Bray hat hier enorme Arbeit geleistet. „The Diviners“ spielt in den 20er Jahren und die Autorin trifft den richtigen Ton genau. Sie kennt sich nicht nur in der Gesellschaft und Politik der Zeit aus, sondern auch in der Sprache. Das macht es nicht immer einfach, die Protagonisten zu verstehen, ist aber enorm authentisch. Wer weiß denn schon heute, dass ein hübscher junger Mann als Scheich bezeichnet wurde, oder was der Ausdruck bank or check bedeutet? Da muss der Leser manches Mal überlegen, aber es lohnt sich. Evie ist ein echtes Kind ihrer Zeit und außerdem ist sie jung und unbekümmert. So kommt sie anfänglich sehr oberflächlich und flatterhaft daher. Das macht sie nicht sofort sympathisch, lockert aber die sehr düstere Geschichte ein wenig auf. Denn der Mörder hat so gar nichts Munteres und auch die Rahmenhandlung lässt nicht auf Lichtblicke hoffen.

Libby Bray nimmt sich sehr viel Zeit, ihre Idee der Diviner zu erklären und auch Nebenfiguren vorzustellen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und zwischendurch hängt die Geschichte ein bisschen durch. Es ist aber auch gründlich und wichtig, denn „The Diviners“ ist der Anfang einer Reihe, die sehr viel verspricht und die ich definitiv im Auge behalten werde.

Dan Wells: Du bist noch nicht tot.

John Wayne Cleaver ist zurück. Vier Jahre ist es her, dass Dan Wells seine Buchreihe um den jugendlichen Soziopathen scheinbar abschloss, nun gibt es einen neuen Band.

In „Du bist noch nicht tot“ ist John seiner Berufung gefolgt und hat den Kamp gegen die Dämonen aufgenommen. Ist er nun glücklicher im Leben, hat er nun seinen Platz gefunden? Die Antwort ist nein. John fühlt sich immer noch abgeschnitten von seiner Umwelt, wird angesichts seiner Gefühllosigkeit misstrauisch beäugt. Da tauchen Gegner auf, die schlimmer sind als alles, was John bisher gesehen hat und sie kennen seine Geheimnisse und Schwächen genau.

Dan Wells schafft es, auch nach vier Jahren genau dort weiter zu machen, wo der letzte Roman um John endete. Ja, aus dem Jungen ist ein junger Mann geworden, der Ziele im Leben hat und den niemand unterschätzen sollte. Aber nach wie vor muss er nach seinen eigenen strengen Regeln leben, um die Kontrolle nicht zu verlieren und schon auf den ersten Seiten denkt er routinemäßig darüber nach, wie er die Menschen in seiner Umgebung am besten töten könnte. Das ist krass. Daher ist es erstaunlich, dass John ein durchweg sympathischer Held ist. Sein Versuch, ein guter Mensch zu sein, seine Sorge um den einen Menschen, der ihm noch was bedeutet und die Sorge, langsam die Kontrolle zu verlieren, machen das Buch aus. Durch sie bleibt die Geschichte spannend. Sicher, die Handlung schlägt ein paar Haken und macht es den Lesern nicht zu leicht, auf die Lösung zu kommen. Alles in allem ist sie aber nicht zu kompliziert und hätte die Geschichte einen anderen Helden, würde es einfach nicht den gleichen Reiz ausmachen. So aber ist es beinahe unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. John ist ein glaubwürdiger, ein gebrochener Held und seltsamerweise macht es genau darum so viel Spaß, von ihm zu lesen. Da seine Widersacher sehr ungewöhnlich sind, würde ich das Buch nicht als reinen Thriller bezeichnen, auch wenn es in diesem Genre wohl am besten aufgehoben ist.

„Du bist noch nicht tot“ ist eine würdige Fortsetzung der Reihe, die mit „Ich bin kein Serienkiller“ begann und kann Freunden der John Cleaver Reihe uneingeschränkt empfohlen werden.

Stephanie Bart: Deutscher Meister

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Ein neuer Held muss her, im Boxsport 1933. Da wäre Johann Trollmann genau der Richtige, hätte der junge, gutaussehende Mann nicht einen entscheidenden Nachteil. Er ist Sinto. Da hilft ihm alles Talent nicht, ein Zigeuner kann nicht deutscher Meister werden, so entscheiden es die Offiziellen. Trollmann will aber nicht aufgeben und so steht er doch in einem Titelkampf. Es wäre eine Katastrophe, würde er diesen gewinnen und so wird er auf jede nur erdenkliche Art daran gehindert.

„Deutscher Meister“ befasst sich nur mit dem Titelkampf Johann Trollmanns und der Vorbereitungen dazu. Das bietet auch genug Stoff für ein Buch. Trollmanns Geschichte ist wahr und es ist kaum zu fassen, wie übel ihm mitgespielt wurde. Die Verbohrtheit, die Engstirnigkeit und Gemeinheit mancher Zeitgenossen lässt den Leser so manches Mal zusammenzucken und Stephanie Bart trifft den richtigen Ton, um die Geschichte zum Leben zu erwecken.
Trotzdem schwächelt das Buch teilweise, da sie sich in Details verrennt. Das der erste Vorsitzende des Boxverbandes früher Fleischermeister war, ist Hintergrundinformation, na gut. Dass er Vegetarier wurde, um dem Führer näher zu sein, wirft ein Licht auf seine Persönlichkeit. Aber brauche ich wirklich die Information, dass seine Frau noch heimlich Wurst isst? Überlegungen über Stechmücken im Spreewald fand ich auch nicht so spannend.
Das konnte mich nicht fesseln uns so bin ich bei diesem Buch unentschlossen. Die Aufarbeitung der Geschichte Johann Trollmanns ist gelungen und auch wichtig, aber würde ich behaupten, dass Buch hätte mich begeistert, dann müsste ich lügen.
Daher werden es bei mir nicht mehr als drei Sterne. Ich wünschte, ich hätte besseren Zugang zu dem Buch gefunden, aber es ist mir nicht gelungen.

Christina Baker Kline: Zug der Waisen

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Als die neunjährige Niamh ihre Elten und ihre Geschwister 1929 bei einem Brand verliert, steht sie plötzlich ganz alleine da. New York ist kein gute Platz für eine irische Waise ohne Familie und so wird das Mädchen von der Children’s Aid Society kurzerhand zusammen mit anderen Kindern in einen Zug verfrachtet und nach Westen gebracht. Dort sollen die Kinder neue Familien finden. Schnell stellt sich heraus, dass sie lediglich als billige Arbeitskräfte gebraucht werden und für die Kinder beginnt eine Odyssee, bei der sie Gleichgültigkeit, Grausamkeit aber manchmal auch Güte und Freundlichkeit erfahren.
Mehr als achtzig Jahre später wird Molly, eine Jugendliche, die in einer Pflegefamilie lebt, zu Sozialstunden verdonnert. Bei einer alten Dame soll sie den Dachboden aufräumen. Sie glaubt kaum, dass neunzigjährige Vivian und sie etwas gemeinsam haben, aber die alte Frau hat eine Lebensgeschichte, der sich Molly nicht entziehen kann.

„Der Zug der Waisen“ kann nicht mit besonderer Eloquenz aufwarten, nicht mit philosophischen Formulierungen. Dafür hat das Buch eine Geschichte, die unter die Haut geht. Es passiert sehr selten, dass ich für ein Buch alles stehen und liegen lassen würde, aber ich habe dieses Buch an einem Stück durchgelesen, weil es mich einfach nicht losgelassen hat. Ich würde für so eine Geschichte auch die Nacht durchlesen. Dass es diese Waisenzüge wirklich gegeben hat, verstärkt die Intensität der Handlung noch einmal. Als Niamh ihre Familie verliert, verliert sie alles. Sie muss ihren Namen mehr als einmal hergeben, ihre Sicherheit, ihre Würde. Trotzdem beißt sie sich durch, entschlossen, alles zu ertragen um zu überleben. Molly dagegen hat es in der heutigen Zeit einfacher, aber auch ihr fehlen Zuneigung und Halt. Beider Leben werden im Präsenz erzählt, was Geschichten ja manchmal schwer zu lesen macht, aber weder Zeitsprünge noch verschiedene Erzählperspektiven können den Erzählfluß und die Dynamik dieses Romans bremsen.Er nimmt seine Leser mit, lässt nicht los und zwingt sie, an dem Schicksal der Mädchen teilzuhaben.
Stilistisch kommt „Der Zug der Waisen“ teilweise spröde daher, das passt aber gut zur Geschichte. Da ist kein Platz für Poesie und es ist gut, dass viele Situationen, die gerade Niamh durchmachen muss, recht knapp und distanziert beschrieben werden.
Christina Baker Kline hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, eins, dass ich jedem in die Hand drücken würde, weil es einfach aus der Menge der sehr guten Bücher noch einmal deutlich heraussticht. Ich bin absolut begeistert.

Colleen Hoover: Hope Forever

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Als Sky das erste Mal zur Schule geht, ist sie siebzehn Jahre alt. Bisher wurde sie von ihrer Adoptivmutter unterrichtet, aber ihr letztes Schuljahr möchte sie auf der Highschool verbringen. Als sie an die Schule kommt, eilt ihr ein schlechter Ruf voraus und dass sie keine Ahnung von Smartphones, Fernsehen oder sonstiger Technik hat, hilft ihr nicht gerade.

Da trifft sie auf Holder, der nach einem für ihn sehr schlimmen Jahr an die Schule zurückkommt. Beide sind misstrauisch, haben mit Problemen zu kämpfen und fühlen sich doch unwiderstehlich zu einander hingezogen. So entwickelt sich eine Beziehung zwischen beiden. Dann aber stehen sie plötzlich vor einem unglaublichen Geheimnis, dass ihre Welt auf den Kopf stellt.

 

Keine Frage, Colleen Hoover kann schreiben. Ihre Figuren haben etwas, dass den Leser in ihren Bann zieht. Da macht es nichts, dass das Buch im Präsenz geschrieben ist, was manchmal etwas sperrig daher kommt. Sky und Holder sind berührend, wirken echt und lebendig und ihre Art, miteinander umzugehen, hat etwas Berührendes. Wie vorsichtig sie mit ihren Gefühlen sind, wie sie sich gegenseitig aufziehen und wie überwältigt sie sind, jemanden gefunden zu haben, der sie jeweils ergänzt, das ist schön mitzuerleben.

Nicht ganz so schön ist es zwischenzeitlich, wenn Holder „zu intensiv“ wird, wie Sky seine Gefühlsaufwallungen nennt. Ja, er ist aufbrausend und nicht immer beherrscht, aber damit können sowohl Sky als auch die Leser umgehen. Jedoch entsteht der Eindruck, dass beider Beziehung nicht immer gleichberechtigt ist. Holder verschwindet für ein paar Wochen – Sky verzeiht. Holder entschließt sich, nachts in ihr Bett zu kriechen – Sky klopft das Herz. Mädel, das ist nicht romantisch, das ist gruselig.

Der Roman kriegt aber rechtzeitig die Kurve und das eigentliche, sehr düstere Geheimnis gibt dem Buch noch einmal eine völlig unerwartete Wendung.

Grund genug, sich Sky und Holders Geschichte anzusehen. Colleen Hoover hat einen außergewöhnlichen Jugendroman geschrieben, den zu lesen es sich lohnt.

A. S. A. Harrison: Die stille Frau

Jodi und Todd sind schon mehr als zwanzig Jahre miteinander verheiratet. Jodi kümmert sich um das Haus und die Ehe, Todd ist ein erfolgreicher Architekt. Die große Liebe ist es nicht mehr, aber beide haben sich in ihrem Leben bequem eingerichtet und nehmen dafür in Kauf, dass sie sich voneinander entfernt haben. Todd peppt sein Leben regelmäßig mit Affären auf und Jodi toleriert das, da diese Ehe ihr ermöglicht, finanziell sorgenfrei zu leben. Da wird Todds neueste Affäre schwanger und nicht nur das, sie ist auch die Tochter seines besten Freundes. Dieses Mal kann er seinen Hals nicht aus der Schlinge ziehen und trennt sich von seiner Frau. Aus verschiedenen Perspektiven zeigt „Die stille Frau“, wie das sorgsame Konstrukt dieser Ehe zusammenbricht.
Bereits auf Seite Zwei wird klar, dieses Buch kann nicht gut enden, verrät doch die Autorin gleich zu Beginn, das Jodi zur Mörderin wird. Der Leser vermag es kaum zu glauben, treibt Jodi doch seltsam distanziert durch ihr Leben, wohl wissend, dass ihr Mann sie wieder und wieder betrügt. Das nimmt sie hin, auch wenn die darüber durch und durch traurig ist. Todd wiederum hat seine inneren Dämonen, denen er ohne nachzudenken nachgibt. Als seine Geliebte schwanger wird, erhöht sich der Druck auf beide. Finanzielle Sorgen, die sie vorher nicht hatten, der wütende Vater der jungen Frau und die Erwartungen ihrer Freunde lassen sowohl Jodi als auch Todd aus der Bahn geraten. Bald ist klar, es gibt keine Lösung für die beiden. A. S. A. Harrison hat einen Roman geschrieben, in dem jede Figur Tiefe besitzt. Dazu kommt eine glaubhafte Handlung. Warum also vermag „Die stille Frau“ nicht zu fesseln? Die Personen scheinen manchmal der Welt entrückt, so sehr reflektieren sie ihr Leben. Es besteht eine Distanz zum Geschehen, die es unmöglich macht, mitzufiebern oder gar um eine Figur zu fürchten. Vielmehr nimmt der Leser die Gefühle und Handlungen besonders Jodis zur Kenntnis, ohne wirklich berührt zu werden. Das ist schade, aber da kann der Roman nicht überzeugen. „Die stille Frau“ ist ein angenehm zu lesendes Buch, wird aber nicht im Gedächtnis bleiben. Dazu müsste es mehr Emotionen wecken.

Naomi Novik: Drachenfeind

William Laurence hat keine Ahnung, warum er an einem Strand erwacht. Er ist vollkommen erschöpft, orientierungslos und er weiß beim besten Willen nicht, was mit seinem Schiff passiert ist. Als er von Reisenden gefunden wird, erfährt er, dass er in Japan ist. Aber was hat ihn dorthin verschlagen, was ist ihm passiert? Ihm dämmert, dass ihm die Erinnerung an die letzten acht Jahre fehlt.
Zur selben Zeit sucht Temeraire nach einem Schiffsunglück verzweifelt nach seinem Captain. Seine Kameraden sind überzeugt, dass Laurence ertrunken ist, aber damit will Temeraire sich nicht abfinden. Da die Beziehungen zwischen Japan und England jedoch äußerst gespannt sind, befinden er und seine Begleiter sich immer noch in Gefahr und es ist ihm nicht möglich, einfach loszufliegen. Dabei haben er und Laurence doch einen wichtigen Auftrag, der sie sogar bis nach Moskau führen soll.

Fish out of water“ Situationen sind Naomi Noviks Spezialität. Temeraire und Laurence bekommen einen Auftrag, begeben sich auf eine lange Reise, die sie an unbekannte Orte führt und lernen dabei neue Kulturen kennen. Dabei geraten sie in Gefahr und kämpfen in Schlachten. So läuft jedes einzelne Buch der Temeraire-Reihe ab und es verwundert ein bisschen, dass die Leser nicht mittlerweile die gähnende Langeweile packt. Erstaunlicherweise passiert das aber nicht. Ja, die Handlung wiederholt sich, ja, mittlerweile haben Drache und Reiter gefühlte hundert Schiffsreisen unternommen und Schlachten geschlagen, aber dennoch schafft es Naomi Novik, die Leser zu packen. Das liegt zum einen daran, dass sie immer neue, spannende Charaktere erschafft, zum anderen ist Frau Novik unglaublich sicher, was die Gebräuche und Etikette der jeweiligen Länder angeht. Darin liegt jede Menge Sorgfalt und das merkt man den Büchern auch an. Auch im achten Band der Reihe gibt es noch Neues zu erfahren, noch Fragen zu stellen. So macht Lesen Spaß.
Schön ist auch, dass liebgewordenen Nebenfiguren genügend Platz gewidmet wird. Iskierka bringt Schwung in die Handlung und bildet einen schönen Kontrast zum belesenen Temeraire. Dieses Drachenweibchen hat Feuer.
Der Handlungsstrang um Napoleon geht seinem Ende entgegen. Hier zeigt sich eine kleine Schwäche des Buchs, denn obwohl die Autorin den erbarmungslosen Kampf um Russland geschickt um Drachen erweitert und ihre Schilderungen an Dramatik kaum zu überbieten sind, wäre Temeraire und Laurence doch langsam eine andere Perspektive zu wünschen. Da ist es gut, dass die Reihe langsam zu Ende geht und vielleicht, ganz vielleicht, eine freundlichere Zukunft auf die beiden wartet.

Conn Iggulden: Die Rosenkriege 1

Henry VI hat den Thron bestiegen und er ist ein schwacher König. Seinem Umfeld ist klar, dass mit ihm der hundertjährige Kriege zwischen England und Frankreich nicht zu gewinnen ist, also muss ein Ausweg gefunden werden. Ein Waffenstillstand ist nötig und eine Hochzeit, am besten mit Margarete von Anjou. Dafür würde England sogar auf die Provinzen Anjou und Maine verzichten. Hochzeit und Waffenstillstand kommen zustande, aber der Preis ist hoch.
Englische Siedler müssen ihre Höfe verlassen, der Zorn auf Henry wächst und seine Widersacher planen einen Umsturz, allen voran Richard Plantagenet.

So ist die Situation im Buch Sturmvogel und sie ist verfahren. Ein schwacher, kranker König, der versucht sein Volk zu beschützen und um ihn herum Menschen, die ein Stückchen vom Thron abhaben möchten, wenn nicht sogar den Thron selbst. Noch haben die Rosenkriege nicht begonnen, aber die Ereignisse nehmen ihren Lauf und es sieht düster für den König aus.
Conn Iggulden schildert die Epoche um Henry VI spannend und unterhaltsam und doch hat mich Sturmvogel nicht ganz überzeugt. In der Hauptsache liegt das an den künstlerischen Freiheiten, die er sich herausgenommen hat. Wichtige Figuren hat er ausgelassen, einen wackeren Helden hinzugefügt und die Geschehnisse von Jahren auf ein paar Monate verkürzt. Richard Plantagenet, der von Zeitgenossen als freundlich, wenn auch zielstrebig beschreiben wurde, gibt hier einen Bösewicht ab, wie er fieser nicht sein könnte. Da sind die Sympathien klar verteilt, was aber auf Kosten einer stark vereinfachten Handlung geht.
Grundsätzlich bin ich immer froh, einen geschichtlichen Roman in den Händen halten zu dürfen, der diese Bezeichnung auch verdient. Das ist hier der Fall. Für meinen Geschmack hat sich Iggulden aber zu viele Freiheiten herausgenommen. Das kann er besser, wie er mit den Trilogien Dschingis Kahn oder Imperator bewiesen hat.

Martin Rütter: Hundetraining mit Martin Rütter

Bei dem Buch „Hundetraining mit Martin Rütter“ entspricht der Inhalt dem, was der Titel verspricht. Ist das nicht selbstverständlich? Sollte es sein, aber wer auf den Namen des Verfassers schaut und denkt „Ach, der ist doch im Fernsehen immer so unterhaltsam…“ oder auch „Der erzieht doch immer diese total problematischen Hunde…“, der wird bei diesem Buch nicht glücklich sein.
Sicher, es ist unterhaltsam geschrieben und es geht natürlich auch auf Probleme mit dem Hund ein. Aber „Hundetraining mit Martin Rütter“ ist keine Biographie eines Comedians, noch ersetzt es einen Hundetherapeuten, wenn schon alles schief gegangen ist.

So, damit wäre geklärt, was das Buch nicht leistet. Kommen wir nun dazu, wo das Buch nützlich sein kann. Der Ansatz ist nämlich sehr interessant. Ganz klar ist es der Hundehalter, der sich klar machen muss, woran Kommunikationsfehler liegen, oder auch, dass es überhaupt welche gibt. Das beginnt mit der schlichten Feststellung, dass Hunde Lebewesen sind und daher auch völlig unterschiedliche Charakter haben. Nicht jeder Hund reagiert gleich und es gibt kein allgemein gültiges Konzept, wie ein Hund reagieren wird. Darauf richtet sich Herrn Rütters D.O.G.S. Methode aus. Die wird gelobt, sicher, davon handelt das Buch ja auch. Aber es gibt auch genügend Hinweise auf andere Hundeexperten und Denkanstöße, sich mit dem eigenen Tier zu beschäftigen.
Das Buch beschäftigt sich weiterhin mit der Beziehung zwischen Halter und Hund, dem eigentlichen Training und Spiel und Spaß. Alle Kapitel sind mit Fotos aufgelockert, übersichtlich und einfach erklärt. Für Anfänger ist das sehr hilfreich, aber auch erfahrene Hundebesitzer finden genug Tipps, die das Buch interessant machen. Das die Mensch – Hund Beziehung so viel Raum einnimmt, macht deutlich, worauf es Martin Rütter ankommt. Das Zusammenleben der beiden muss klappen und das tut es am besten mit viel Verständnis und jeder Menge Kommunikation. Das kann auf dem Hundeplatz sein, ja. Viel wichtiger ist aber der Alltag, der stressfrei sein und Spaß machen soll.
Wer also neue Möglichkeiten sucht, sich mit seinem Hund zu beschäftigen, oder sich besser mit ihm zu verstehen, der wird an diesem Buch seine Freude haben. Ich habe einige neue Denkanstöße bekommen und mich dabei auch noch gut unterhalten.